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TAURIS Avenida II 125

rollerszene 07 / 2015

Der Spartaner

Fahrbericht Tauris Aveida II.

TAURIS Avenida II 125Leistung bis zum Abwinken, Elektronik an allen Ecken und fernreisetauglicher Luxus - alles schön und gut für den, der es sich leisten kann und will. Wenn der Roller aber weder als Freizeit-Spaßgerät noch als Renommier-Objekt herhalten soll, sind andere Qualitäten gefragt. Wer ein preisgünstiges, wendiges, sparsames Zweitfahrzeug für die Stadt sucht, könnte an Angeboten wie dem in China gefertigten Tauris Avenida II gefallen finden. Ein 125er mit 11 PS und Handling-fördernder 16-Zoll-Bereifung für deutlich unter 2000 Euro. Die II verdeutlicht: Fürs Modelljahr 2015 bekam der Avenida ein dezentes Facelift und eine moderate Kraftkur.
Wasserkühlung oder einen Vierventilkopf sucht man in dieser Preisklasse vergebens. Mit Gebläseunterstützter Luftkühlung und zwei Ventilen dreht der Motor des Tauris vergleichsweise gemächliche 6500 Touren und motiviert dabei elf Pferdestärken, bleibt also deutlich unter dem gesetzlichen Klassenlimit von 15 PS. Immerhin, der Vorgänger konnte nur acht PS ins Feld führen. Und die Leistung reicht, um in der Stadt mal eine Ampelschlange rechts liegen zu lassen und auf der Landstraße mitzuschwimmen. Durch das moderate Drehzahlniveau läuft das Motörchen angenehm ruhig. Autobahn ist möglich, aber Spaß macht es nicht. Mit Anlauf schwingt sich der Roller in der Ebene kurz vor die 100 laut Tacho, der Fahrzeugschein verspricht echte 90. Wenn bergab etwas mehr geht, kitzelt die Nadel des Drehzahlmessers bereits den roten Bereich. Und in diesen Geschwindigkeiten merkt man dem Motörchen seine Mühe an. Wohler fühlt sich dieser Roller im Lkw-Windschatten bei Tacho 90. Oder eben abseits der Autobahn. Da kann er seine Fahrwerksqualitäten ausspielen: Die großen Räder sorgen für stabilen Geradeauslauf auch bei höheren Geschwindigkeiten. Die schmalen Reifen sorgen trotzdem für leichtes Einlenken. So wuselt es sich mit Leichtigkeit durch verstopfte lnnenstädte, aber auch beschwingte Kurvenfahrt auf der Landstraße geht leicht von der Hand. Großrad-Rollertypisch ist auch die aufrechte Sitzposition, die sowohl beim City-Slalom als auch beim Kurvensurfen gefällt. Holperstrecken mag der Avenida nicht, seine Federelemente sind eher von der bockigen Sorte. Dafür nerven sie nicht mit schwammigem Aufschaukeln oder gar Durchschlagen. Die Bremsscheiben mit Zweikolben- Schwimmsätteln vorn wie hinten - verzögern nicht atemberaubend, aber befriedigend und dosierbar. Ein Antiblockiersystem gibt es nicht. Die Trinksitten des Tauris sind mittelprächtig: Mit knapp vier Litern Super auf 100 Kilometer im gemischten Stadt-Land-Schnellstraßen-Betrieb mit viel Vollgas reicht es nicht zum Chef im Abstinenzler-Ring. Arm macht dieser Verbrauch aber auch nicht, zu mal ein City-Roller wie der Avenida ohnehin meist auf kurzen Strecken bewegt wird. Angesichts der rustikalen Technik hatten wir vor dem ersten Tankstopp mit Schlimmerem gerechnet.

Die Reichweite mit dem 6,8-Liter- Fässchen reißt dementsprechend keine Bäume aus. Nach rund 120 Kilometern mahnt die Reserve-Leuchte zum Nachfassen. Dann ist Fingerspitzengefühl gefragt, um die kleine Öffnung ohne Verschütten zu befüllen. Letzteres wäre besonders ärgerlich, da der Tankstutzen sich unter der Sitzbank, in unmittelbarer Nähe zum Gepäckfach, befindet. Der Tank selber macht sich unter dem Beifahrersitz breit. Die Auswirkungen auf den Schwerpunkt dürften eher akademischer Natur sein, zu mal er zwar weit hinten, aber wenigstens tief sitzt. Aber diese Position begrenzt den Gepäckraum unter dem Sitz auf Platz für einen Jet- oder einen kompakten Integralhelm. Das abschließbare Handschuhfach im Beinschild fasst nur Kleinigkeiten. Einen gewissen Ausgleich schafft normalerweise das serienmäßige, in Fahrzeugfarbe lackierte Topcase. An unserem Testfahrzeug war es allerdings nicht montiert. Darüber hinaus ist die Ausstattung eher zweckmäßig als überbordend.

Schön rot: Die schwimmende Zweikolben- Bremszange verzögert annehmbar, nicht atemberaubend. Satt einer zentralen Aufhängung stützen Stereo-Federbeine die Schwinge ab.

Nur das Nötigste: Analoger Drehzahlmesser und digitales Kombiinstrument im Cockpit. Der Zweiventiler liegt weit ab vom Fahrtwind, seine Kühlluft erhält er über ein Gebläse